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Der Wald im 17./18.Jahrhundert


Nadelstreuboden in Kiefern-Mischwald. Foto: Heike Mack-Juranek

Im 17. bis 18. Jahrhundert gingen die Menschen mehr und mehr dazu über, das Vieh im Stall zu halten, weil die weiten Wege in den Wald dessen Milchleistung herabsetzten. Damit kam neben der Holz- und Energiegewinnung die Verwendung des Laubes und der Nadeln zur Einstreu als weitere Form der Waldnutzung hinzu: in armen Sandgebieten wurde die auf ehemaligen Waldflächen Einzug haltende Heide abgehackt, aufbereitet und als Einstreu für das Vieh verwendet. Diese Streunutzung war für den Wald besonders schädlich, denn sie bedrohte nicht nur die Verjüngung der alten Wälder, sondern raubte dem Boden den Humus und damit die Nährstoffe für das Wachstum der Bäume. Die Wälder verarmten zusehens. Die Zunahme der Bevölkerung zwang zu stärkerer Holznutzung und vermehrtem Vieheintrieb. Die für das Vieh notwendige Einstreu wurde mit sinkendem Wachstum immer spärlicher und die Zeiträume der Waldnutzung somit immer kürzer. Damit war der Ruin der Wälder fast schon vorgezeichnet und kaum mehr aufzuhalten.

Laubstreuboden in Eichen-Mischwald. Foto: Heike Mack-Juranek

Etwas anders verlief die Entwicklung in Gegenden, die vor allem den Herrschenden gehörten. Hier bestimmte häufig der Bergbau und der Bedarf an Bauholz die Waldnutzung. Zusätzlich brauchte man das Holz als Brennmaterial für das Rösten und Verhütten der Erze. Dafür wurden schon im 15. und 16. Jahrhundert ausgedehnte Kahlschläge gemacht, um möglichst große Holzmengen an Bäche, Flüsse oder künstliche Gräben zu bringen, denn am besten ließ sich das Holz auf dem Wasser zu den Stellen der Verarbeitung bringen.

Zur Gewinnung von Energie wurde das Holz auch in Meilern verkohlt. Holzkohle hat nur ein Fünftel des Holzgewichtes und war so besser und leichter auf den Wegen zu transportieren. Außerdem hatte Holzkohle einen besseren Heizwert als Scheitholz und ergab wesentlich höhere Temperaturen. Diese waren zur Herstellung von Eisen oder Glas notwendig. Die Glasherstellung, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert benötigte sehr viel Holz für die Herstellung von Pottasche und das Schmelzen der Glasrohstoffe und führte zur Entwaldung großer Gebiete. Die Gewinnung von Salz erforderte zudem den Einsatz von Holz als Energieträger zum Eindampfen der Sole. Schließlich wurden von den großen Waldbesitzern Eichen, Tannen, Kiefern und Fichten als Stämme an große Städte verkauft, um die Kassen zu füllen, die wegen der vielen Kriege ewig leer waren. Auf diese Weise wurden die herrschaftlichen Waldungen nicht weniger ausgebeutet als die bäuerlichen Dorfwälder.

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