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Wissen rund um Wald und Forstwirtschaft

Der Wald im Mittelalter


Nach der großen Periode der Rodungen, die von der Völkerwanderung bis etwa zum Ende des 14. Jahrhunderts n. Chr. anhielten, war vom Wald nur noch wenig übrig geblieben. Zu dieser Zeit war Deutschland nur noch mit etwa einem Drittel seiner Fläche von Wald bedeckt. Die Landwirtschaft beanspruchte die ertragreichsten Böden. Nur nährstoffarme Sandböden, schwere, kalte Tonböden oder immer wieder durch Wasser gefährdete Talauen waren noch mit Wald bewachsen. Dazu kamen im Gebirge zu steile oder felsige Hanglagen. Dieser Restbestand war jedoch unentbehrliche Grundlage menschlichen Lebens, denn die ganze Energieversorgung basierte ausschließlich auf dem Rohstoff Holz. Außerdem war Holz die Grundlage für den Hausbau und zahlreiche Gewerbe. Es war die Basis für den Bergbau und die damit zusammenhängenden Manufakturen. Schlussendlich diente der Wald auch in großem Maß der Bevölkerungsernährung.

Alter Stockausschlag aus Buchenstubben. Foto: Tolja Mack

Die Waldnutzung fand ungeregelt statt. Doch stellte sich bald heraus, dass es der Regelung bedurfte, wenn alle genügend Rohstoff erhalten sollten. Diese Regeln wurden zunächst in Gewohnheitsregeln niedergelegt. Schon vom 15. Jahrhundert an erließen die Landesfürsten Forstordnungen, wobei es vor allem darum ging, mit dem Holz sparsamer umzugehen und die Naturverjüngung nicht zu schädigen. Als Brenn- und Feuerholz dienten die Äste der Baumkronen. Auch wurden mancherorts Brennholzwälder eingerichtet, in denen Baumarten vorherrschten, die wieder aus dem Wurzelstock ausschlagen konnten, nachdem sie geschlagen wurden, wie z.B. Hasel, Linde, Eiche, Erle, Weide oder Hainbuche. Hier entwickelte sich die ersten Formen planmäßige Zukunftsvorsorge, indem man diese Brennholzwälder (sog. Niederwälder) in verschiedene Flächen unterteilte, die Schläge hießen. Von diesen Schlägen wurde jedes Jahr nur einer genutzt. Bei 15 Schlägen kam man also erst nach 15 Jahren wieder auf die gleiche Fläche zurück. Nach dem Brennholzhieb verbrannte man die liegen gebliebenen Reste, der Boden wurde aufgeharkt und zwischen den Wurzelstöcken mit Getreide eingesät. Nach zwei bis drei Jahren waren die Stockausschläge so hoch geworden, dass eine weitere landwirtschaftliche Nutzung nicht mehr möglich war.

Auf diese Weise war der Holzbedarf für den Hausbau und die zahlreichen Gewerbebetriebe jedoch nicht zu befriedigen. Man ging daher schon bald dazu über, nach einem Brennholzhieb in weitem Abstand geradwüchsige junge Eichen, Buchen und andere Bäume zu pflanzen, die bei den nächsten Brennholzhieben verschont wurden. Diese Bäume wuchsen mit großen, breiten Kronen rasch heran und konnten nach einigen Jahrzehnten als Bau- und Nutzholz geerntet werden. Diese als Mittelwälder bezeichneten Flächen produzierten in der unteren Gehölzschicht als Stockausschlag das nötige Brennholz und lieferten mit der oberen Baumschicht das gewünschte Nutzholz.

Im mittelalterlichen Wald gab es daneben jedoch auch alte Eichen- und Buchenwälder. Eiche und Buche sowie die Wildobstbäume waren besonders nützliche Gehölze, weil man ihre Früchte entweder selbst essen oder als Mast an die Schweine verfüttern konnte. Der Wald war die Grundlage der mittelalterlichen Schweinezucht. Durch ein gutes Mastjahr war das Überleben ganzer Dörfer und Landstriche gesichert. Wo ältere Eichen oder Buchen eingeschlagen werden mussten, wurde auch schon im Mittelalter neu angepflanzt.

Der Wald diente nicht nur zur Energie- und Holzversorgung, sondern ebenfalls als Weidegebiet. Kühe und Kälber, Ziegen und Schafe bevölkerten die Wälder. Oft waren es Herden von mehreren hundert Stück, die von einem Hirten gehütet wurden. Wo in den Niederwäldern die alten Stockausschläge versagten und sich das Gras breit gemacht hatte, drang auch das Vieh ein. Dabei wurde viel Jungwuchs verbissen und zertreten. So begann mit der steigenden Bevölkerungszahl die Zerstörung des Waldes durch die Schädigung der natürlichen Verjüngung.

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