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Der Wald nach der letzten Eiszeit


Nach der letzten Eiszeit war der Boden insbesondere im Norden Deutschlands eine ebene, manchmal von Moränen durchzogene Landschaft. An den Ausläufern der früheren Gletscherzungen befanden sich ausgedehnte Schotterfelder, in denen große Steinblöcke lagerten. Da der Untergrund häufig noch in geringen Tiefen gefroren war, sammelte sich Wasser in zahlreichen Tümpeln, Teichen und Seen. Schmelzwasserströme strebten in Rinnsalen und Bächen den großen Flüssen zu.

Kiefernwald. Foto: Tolja Mack

Die Baum- und Straucharten benötigten zur Eroberung ihres neuen Lebensraumes unterschiedlich lange. Je nach Lebensweise, Nährstoffbedürfnis und morphologischer Entwicklung wanderten die Pflanzenarten unterschiedlich schnell in die Gebiete ein. Das zunächst noch raue Klima und die zurückweichenden Eismassen bildeten eine gute Lebensgrundlage für die Bergkiefer. Sie ist an lange, strenge Winter angepasst und mit ihren leichten Samen verbreitete die Bergkiefer sich verhältnismäßig schnell. Ihr strauchartiger Wuchs bot Schutz und begünstigte die Ansiedlung weiterer Pflanzenarten.

Kiefern-Birken-Wald. Foto: Tolja Mack

Je mehr die Durchschnitts-Temperaturen anstiegen, umso besser konnten Birken und Weiden Fuß fassen. Deren Samenreichtum, die schnelle Fruchtfolge und der ebenfalls sehr leichte Samen sorgten für eine optimale Verbreitung dieser Pionierbaumarten. Sie stellten durch ihre größere Höhe die erste Konkurrenz für die Bergkiefer dar und waren die Wegbereiter der Waldkiefer. Es war die Zeit der Kiefern-Birken-Wälder, die inselartig Teile der Landschaft bedeckten. Kleine und größere Baumgruppen trotzten dem rauen Klima vor ca. 12.000 Jahren. Der Neandertaler war schon seit 20.000 Jahren ausgestorben. Die Menschen lebten im Übergang zwischen Altsteinzeit und Mittelsteinzeit als Nomaden auf dem Gebiet des heutigen Deutschland. Unsere Vorfahren entwickelten den Bogen als Jagdwaffe und verbesserten ihre Werkzeuge.

Je mehr sich das Klima erwärmte, umso besser wurden die Lebensbedingungen für andere Gehölzarten. Der Haselstrauch siedelte sich an und breitete sich großflächig aus. Aufgrund seiner geringen Höhe wurde er jedoch bald von Licht liebenden Baumarten wie Eichen, Linden und Ulmen überwachsen. Die Hasel musste sich schließlich mit einer Rolle in der unteren Waldschicht begnügen. Große Eichenwälder bedeckten das Land vor 9.000 Jahren.

Die Veränderung der Umwelt hatte auch weitreichende Auswirkungen auf die Menschen, die in Gruppen in den Wäldern lebten. Zur Sicherung ihrer Existenzgrundlagen veränderte sich auch deren Lebensweise. Teilweise wurden kleinere Siedlungen gegründet, Ackerbau und Viehzucht nahmen ihren Anfang. Andere Gruppen wiederum mussten weite Strecken ziehen, um ihre Lebensgrundlagen zu sichern.

Junger Buchenwald. Foto: Tolja Mack

Mit dem dichter werdenden Gehölzbewuchs begann unter den Bäumen der Kampf um das Licht, der zu Beginn der Einwanderung der Baumarten noch nicht so ausgeprägt war. Das dichte Kronendach sorgte in weiten Bereichen Deutschlands für eine grundlegende Umstellung des Baumartengefüges. Buchen und Tannen wanderten unter das Blätterdach. An den Stellen, an denen der Standort nicht andere Baumarten besser versorgte, setzten sie sich bald durch. Die nächste bedeutende Waldumwandlung begann. Die lichten Eichenwälder, welche auch im Unterstand noch andere Baumarten und Gehölze zugelassen hatten, entwickelten sich zu Buchenwäldern weiter. Obwohl die Eichen langlebiger sind als Buchen, konnten sich junge Eichen wegen des Lichtmangels unter den Buchenkronen nicht halten. So bedeckten vor ca. 6.000 Jahren großflächige, dunkle Buchenwälder, die sich immer weiter verdichteten, ungefähr Zweidrittel der Fläche Deutschlands.

In diesem "Waldmeer" lagen jedoch auch freie Bereiche. Diese bildeten die Keimzellen der heutigen Besiedlung. Aus diesen Siedlungen heraus rodeten die Menschen die Wälder um Ackerland zu gewinnen. Wald und Holz gab es im Überfluss und in den riesigen Wäldern tobte der Kampf der Baumarten um Nahrung, Wasser und Licht.

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