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Wissen rund um Wald und Forstwirtschaft

Der Wald in der Zukunft


Ein Blick in die zukünftige Entwicklung des Waldes ist nur unter Berücksichtigung der potentiellen Ansprüche der Menschen an die einzelnen Leistungen des Waldes denkbar. Die wachsende Globalisierung der Märkte gibt uns die Möglichkeit bestimmte Leistungen - und darunter können auch Leistungen der Wälder fallen - zu verlagern. Die regional erfahrbaren Funktionen wie Schutz- und Erholungsfunktion, könnten noch stärker als bisher in den Fokus der Öffentlichkeit gelangen.

Eichensämling am Wegesrand. Foto: Heike Mack-Juranek

Aktuelle regionale Klimamodelle beschreiben, dass die Jahresmitteltemperatur langfristig um 1,5 bis 3,7 Grad Celsius höher liegen wird als in den vorangegangenen Jahrzehnten. Milde Winter mit wenig oder kaum Schnee verbessern die Überlebensbedingungen verschiedener Arten. Insbesondere Organismen, die sich durch eine hohe Vermehrungsrate auszeichnen können sich gut veränderten Bedingungen anpassen. Hierzu gehören vor allem Insekten und Pilze als signifikante Gruppe von potentiellen Baumschädlingen. Wärmere Sommer mit ausgeprägten Trockenzeiten könnten das Risiko für Trockenstress erhöhen. Generell wird mit einer Zunahme von Wetterextremen gerechnet. Ein mögliches negatives Szenario beschreibt für die Zukunft eine ausgeprägte Variabilität im regionalen und überregionalen Wetter und Klima mit Spät- und Frühfrost, radikalen Temperaturschwankungen und der Zunahme von starken Niederschlagsereignissen. In einem für die Wälder in Deutschland ausgeprägt positiven zukünftigen Szenario wären milde Winter und feucht-warme Sommer mit reichlich Niederschlägen zu erwarten.

Durch den langfristigen Generationenwechsel können sich Waldökosysteme nur langsam veränderten Klimabedingungen anpassen. Die Leistung des Waldflächenmanagements wird davon abhängen, wie vorausschauend es gelingt regional Waldökosysteme zu schaffen, die durch ihren Artenreichtum eine erhöhte Flexibilität gegenüber veränderten Umweltfaktoren aufweisen. Viele unterschiedliche Gefahren und Schadereignisse, wie beispielsweise das Ulmensterben oder das seit 2002 beobachtete Eschentriebsterben, tragen schleichend zum Verlust des Artenreichtums der Wälder bei. Hinzu kommt das Risiko der Einschleppung fremder Schadorganismen durch die globalen Verkehrs- und Warenströme. Unsere Waldökosysteme hatten nicht die Chance einer Jahrtausende währenden gemeinsamen Entwicklung mit den Neuankömmlingen in unserer Region. Krankheiten wie der Kastanienrindenkrebs haben so die Möglichkeit, sich über weite Teile Europas ungehindert auszubreiten.

Je höher dieser Druck auf die Waldökosysteme wird, desto intensiver werden Diskussionen über die Anpassung der europäischen Wälder durch fremdländische Baumarten geführt. Hierbei ist das Argument der Unterstützung einer Einwanderung angepasster Baumarten an die sich ändernden Bedingungen die tragende Säule und Grundlage der Richtungsentscheidung im Waldflächenmanagement. Derzeit findet die Douglasie das besondere Interesse vieler Waldbesitzer. Neben hohen Zuwachsleistungen wird ihr ein hohes Anpassungspotential an den Wandel des Klimas nachgesagt.

Die Waldfläche in Deutschland hat in den vergangenen Jahren in der Summe um ca. 10% zugenommen. Obwohl immer wieder Wald in andere Nutzungsarten umgewandelt wird, sichern die gesetzlich verankerten Pflichten zum Ausgleich und Ersatz eine ausgeglichene Flächenbilanz. Wald hat in unserem Wirtschaftsleben den Charakter einer extrem langfristigen Flächenbindung. Die zur Verfügung stehende Landfläche ist endlich. Das Interesse an anderen Nutzungen von Flächen und der daraus entstehende Druck auf die mit Wald bewachsenen Flächen werden diese Entwicklung beeinflussen. Die Anzahl und Qualität der Infrastruktureinrichtungen sind wichtige Faktoren der Entwicklung von Lebensqualität. Die landwirtschaftliche Nutzung nimmt ebenfalls große Flächenanteile in Anspruch. Der Anspruch an Fläche unterschiedlicher Nutzungsformen hängt mit der Bevölkerungsentwicklung zusammen. Nach Einschätzung von Eurostat wird die Zahl der Sterbefälle die Zahl der Geburten im Jahr 2015 in Europa überschreiten. Das führt dazu, dass nur noch durch die Einwanderung eine Zunahme der Bevölkerung in der EU zu erwarten wäre. Diese Entwicklung für sich genommen und in Verbindung mit der weiteren technischen Entwicklung könnte ein Indiz für die Abnahme lebensnotwendiger Nutzungsintensitäten sein. Das könnte im weiteren Verlauf die Möglichkeit der Waldflächenzunahme durch Umwandlung anderer Nutzungsformen oder Stilllegung prognostizieren.

Die Nutzung nachhaltiger Ressourcen ist ein zentrales Anliegen der Gesellschaft in Deutschland. Durch die in den letzten Jahrhunderten kontinuierlich gestiegene Lebensqualität in Europa erlaubt sich die Gesellschaft zunehmend einen Blick auf die künftige Entwicklung der grundlegenden Ressourcen weltweit. Industrieländer wie die europäischen Staaten verbrauchen insgesamt 80% der gesamtwirtschaftlichen Ressourcen. Die Mengenbegrenzung zentraler Rohstoffe wie Erdöl führt zu Recyclingstrategien und die Berücksichtigung regenerativer Energieträger. Konzepte dieser Art haben in den Entwicklungsländern, in denen es um die Sicherung von Lebensgrundlagen geht, keinen vergleichbaren Stellenwert. Da ein den Industrieländern entsprechender Wohlstand in den Entwicklungsländern mit einem derzeit entsprechenden Ressourcenverbrauch nicht möglich scheint, bietet eine drastische Ressourcenbegrenzung der Wirtschaft in den Industrieländern verbunden mit Ressourcenproduktvitätssteigerungen und einer Ausnutzung von Innovationspotential einen möglichen Lösungsansatz zur weiteren globalen Entwicklung.

Krone einer freistehenden Eiche. Foto: Tolja Mack

Der Rohstoff Holz mit seinen multiplen Nutzungsmöglichkeiten ist für Zentraleuropa zunehmend ein wichtiges Wirtschaftsgut. Der Holzbedarf in Deutschland ist in den letzten Jahren dynamisch gestiegen. Im Vergleich zu 1990 hat sich der Holzeinschlag bis zum Jahr 2009 ungefähr verdoppelt. Trotzdem liegt der Holzeinschlag nach aktuellen Zuwachsschätzungen weiterhin unter dem Holzzuwachs. Deutschland erreichte im Jahr 2005 das weltweit höchste Exportvolumen an Holz- und Papierprodukten. Die zunehmende Verknappung fossiler Energieträger führte zu einem Bedarfsanstieg an Brennholz. Die 2004 durch die Bundesregierung beschlossene "Charta für Holz" verfolgt das Ziel den Verbrauch von Holz und Holzprodukten aus nachhaltiger Erzeugung bis zum Jahr 2014 um 20% zu steigern. Eine vom Johann-Heinrich-von-Thünen-Institut erstellte Gesamtholzbilanz weist aus, dass sich Deutschland mit seinem Rohholzaufkommen rechnerisch selbst versorgen kann.

Wald wird augenscheinlich weiter an Bedeutung gewinnen. Die Nutzung der verschiedenen Funktionen ist vielschichtig und auch regional von der Bevölkerung abhängig. Die wachsende wirtschaftliche Bedeutung des Rohstoffs Holz kann mittelfristig zu einer Verknappung führen. Hieraus könnte auch ein verstärkter Import von Holzerzeugnissen erwachsen. Durch eine Optimierung von Nutzungsstrategien und Verbesserungen der Technik kann die nachhaltige Nutzung heimischer Wälder weiter entwickelt werden. Ebenso ist es möglich, dass sich die Schwerpunkte der Waldfunktionen verlagern und sich so weitere Rohstoffpotentiale erschließen. Das aktive Waldmanagement zielt derzeit nach dem Waldbericht der Bundesregierung für 2009 in weit über der Hälfte aller Wälder in Deutschland auf die Erhaltung und Entwicklung der landschaftlichen Vielfalt sowie auf kulturelle, ästhetische und historische Werte. Die Holznutzung ordnet sich diesen Zielen unter.

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